Feedern f. Spinnfischer

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Jean Fertig | 15.2.2016, 23:32 Uhr

Feedern f. Spinnfischer

Feedern f. SpinnfischerWährend der Schonzeit der Raubfische, die sich besonders in Bayern über einen großen Zeitraum erstreckt, liest man in Angelforen im Internet immer wieder von Spinnfischern, die verzweifelt nach Alternativen für ihre anglerische Spezialisierung suchen. Der Eine sucht beinahe täglich den Angelladen seines Vertrauens auf, um seinen Kunstködervorrat aufzustocken, während der Andere ganze Tage im Keller verbringt und seiner Frau erzählt, er würde „das Angelzeug ausmisten“, nur um in Wahrheit festzustellen, welche Rute oder Rolle die Sammlung noch gut ergänzen würde.

Das Offensichtlichste entgeht aber den Meisten: Warum nicht eine andere Angelart ausprobieren?
Gerade im zeitigen Frühjahr bietet sich die Feederangelei mit wenig Gepäck für Spinnfischer an.
Eine Tüte mit Futter, ein kleiner Klappstuhl, Rutenständer, Rucksack mit Kleinteilen wie Wirbel, Futterkorb, Haken, Zange, etc und nicht zu vergessen die Feederrute. Das wars, mehr ist im Frühjahr nicht nötig. Der stark reduzierte Stoffwechsel der Fische macht es möglich, dass man mit rund einem Kilo Futter den ganzen Tag angeln kann.
Die typischen Zielfische sind im Frühjahr Brassen, Döbel und große Rotaugen. Obgleich die Brachsen nicht jedermanns Lieblinge sind, sind sie doch dankbare Abnehmer unserer Köder. Außerdem stehen bei einem Brassenschwarm häufig auch kleinere Karpfen, die am Feedergerät eine tollen Drill bieten.
Die Jahreszeit bringt es aber mit sich, dass man die sonst so einfach zu findenden Weißfische suchen muss. Obwohl die Tiere bei Wassertemperaturen um 4°-6°C kein ausgeprägtes Zugverhalten haben, sind sie doch immer an sehr unterschiedlichen Stellen zu finden. Hier reicht ein einziger sonniger Tag und ein halbes Grad Wassertemperatur mehr um die Fische aus der Tiefe ins Flache zu locken. Häufig hilft hier im beginnenden Frühjahr nur: „Suchen, Suchen, Suchen“. Aber das sollte man als Spinnfischer ja gewohnt sein.
Wichtig ist es nur zu wissen, dass Wasser seine höchste Dichte bei 4°C hat. Dementsprechend haben die tiefsten Stellen eines Gewässers am Grund selbst im Winter nur selten Temperaturwerte unter 4°C, also ist das Wasser hier im Normalfall am wärmsten. Im Zweifelsfall sollte man also bei einer niedrigen Wassertemperatur zuerst die tiefen Stellen aufzusuchen.
Auch das Futter ist kein Hexenwerk. Ich persönlich verwende ein hochwertiges Fertigfutter (z.B.: das Clubmen Voorn Vanille Zwaart von Geers oder diverse Futter von Van den Eynde) und setzte diesem eine gute Portion Hanf zu. Ob geröstet, gequetscht oder gemahlen ist dabei meiner Meinung nach egal. Hanf sättigt nicht und regt die Verdauung an, weswegen mehr gefressen wird, als eigentlich nötig. Vergessen sollte man auf keinen Fall eine gute Prise Salz. Salz wirkt geschmacksverstärkend und übt gerade im Winter auf die Fische einen zusätzlichen Reiz aus. Oder warum sonst produzieren Firmen gesalzene Kunstköder? In der kalten Jahreszeit dürfen es auch gerne mehr Geschmacksstoffe und Aromen als im Sommer sein. Im Karpfenbereich gibt es zuhauf Liquids, Attraktoren und Dips, die nicht nur zur Veredelung von Boilies, sondern auch als sehr wirksame Zutat von Feederfutter taugen. Außerdem sollte das Futter eine dunkle Färbung aufweisen, denn ein all zu helles Futter erzeugt jetzt Misstrauen bei den Fischen. Der Lebendanteil wie Maden oder Pinkies sollte sich am allgemeinen Weißfischbestand im Gewässer, an der Außentemperatur und an der bereits gefangenen Anzahl von Fischen orientieren. Sonst passiert es gerade bei niedriger Wassertemperatur, dass man die Fische überfüttert. Bei einem guten Brassenbestand hat es sich bei mir bewährt pro gefangenem Fisch lediglich 3-4 Pinkies mit in den nächsten Futterkorb zu geben. Allerdings ließen sich mit der genauen Futterzusammensetzung ganze Bände füllen und jeder Profi schwört auf eine andere Mischung. In der Realität muss man hier einfach ein bisschen ausprobieren, bis man das beste Futter für das jeweilige Gewässer gefunden hat. In den meisten Situationen reicht aber ein „getuntes“ Standartfutter.

Aber warum ist jetzt das Feederangeln mit wenig Gepäck so gut für Spinnfischer geeignet?
Weil man im Frühjahr die Fische aktiv suchen muss. Im Gegensatz zum statischen Ansitzangeln macht man gerade im Frühjahr beim Feedern viel Strecke. Habe ich nach einer halben, spätestens nach anderthalb Stunden an einer Stelle keinen Biss verzeichnet, packe ich zusammen und suche den nächsten Spot auf. Häufig befische ich an einer Stelle auch mehrere Punkte. Zuerst beangle ich einen tiefen Punkt in Richtung Gewässermitte. Tut sich hier nichts, werfe ich einen ufernäheren Punkt an und versuche dort mein Glück.
Nun stellt sich natürlich die Frage wie sich ein aussichtsreicher Spot erkennen lässt. Und genau hier haben Spinnfischer einen weiteren Vorteil. Häufig kennen sie ihr Gewässer genau. Wo befinden sich Strukturen unter Wasser, wo ist steiniger, wo schlammiger Grund. Wie bereits erwähnt sind bei Sonnenschein flache, sandige Stellen interessant, da sich das Wasser dort schneller erwärmt.
Ein weiteres Indiz für eine vielversprechende Stelle sind Wasservögel. Einzelne Kormorane, Haubentaucher oder Gänsesäger sind als Fischfresser häufig auch dort zu sehen, wo sie ihre Beute machen. Ein Versuch lohnt hier allemal! Außerdem sieht man, wenn man mit offenen Augen am Wasser sitzt, sogar den ein oder anderen steigenden Fisch.

Hat man dann die Fische erst einmal gefunden kann man häufig den restlichen Tag am selben Spot verbringen, da sie eng zusammen stehen. Sinnvoll ist es, dann auf einen kleineren Futterkorb zu wechseln, um den Schwarm erstens nicht durch das laute Aufplatschen eines prall gefüllten Futterkorbes zu verschrecken und sie zweitens nicht zu sättigen. Die Bisse fallen meistens sehr verhalten aus, sollten aber konsequent angeschlagen werden. Selbst hinter der kleinsten Spitzenbewegung kann jetzt ein Karpfen stecken, der im Sommer die Rute ohne wenn und aber krumm gerissen hätte.
Um den „Schonzeitkoller“ zu umgehen und sein Gewässer auch in den sonst eher unspektakulären Monaten Februar und März kennen zu lernen ist das Feederfischen mit leichtem Gepäck bestens geeignet. Auch die sonst bei Raubfischanglern verschmähten Fischarten wie Rotaugen und Brassen können am leichten Gerät mitunter einen tollen Drill bieten. Wenn dann sogar noch ein Karpfen einsteigt, wird auch der größte Raubfischfan überzeugt sein: Feedern im Frühjahr lohnt sich!
Und sollte es nicht auf Anhieb klappen: „So ist Angeln nun mal.“